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Dojczland

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Ein Reisebericht

di Stasiuk Andrzej

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15"Man muß in Tulcea gewesen sein, um den Anblick von Frankfurt am Main bewältigen zu können. Man muß einen Abdruck der rumänischen Steppe im Herzen tragen, um da heil rauszukommen." Der Erzähler des Bestsellers "Dojczland", ein literarischer Gastarbeiter auf Lesereise kreuz und quer durch die Bundesrepublik, verbirgt nicht, daß er lieber auf dem Bukarester Gara de Nord als am Stuttgarter Hauptbahnhof angekommen wäre. Warum fühlt er sich so unbehaglich? Warum wird er die Ängste nicht los? Und warum rührt ihn der deutsche Papst, der in Auschwitz niederkniet? Nach Deutschland fahren, das ist Psychoanalyse! So selbstironisch spielt Stasiuk mit Ängsten, Vorurteilen und Klischees, den eigenen, den fremden, daß ihn ein polnisches Skandalmagazin als bezahlten Einflußagenten Berlins anprangerte.12"Stasiuks Tramp, der Deutschland gewissermaßen von den Bahnhofstoiletten her aufrollt, ist eine der doppelbödigsten Figuren, die das deutsch-polnische Drama in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat. Nicht dass Stasiuk hier ein abschließendes Porträt des Polen in seinem Verhältnis zu Deutschland geliefert hätte; so ein abschließendes Porträt gibt es nicht. Er hat aber mit seinem dichtenden Landstreicher eine der ungezählten Schutzmasken beschrieben, die viele Polen bis heute brauchen, wenn sie Deutschland ertragen wollen." Konrad Schuller Frankfurter Allgemeine Zeitung, Literaturbeilage01Andrzej Stasiuk, der in Polen als wichtigster jüngerer Gegenwartsautor gilt, wurde 1960 in Warschau geboren, debütierte 1992 mit dem Erzählband "Mury Hebronu" (Die Mauer von Hebron) , in dem er über seine Gewalterfahrung im Gefängnis schreibt. Stasiuk wurde 1980 zur Armee eingezogen, desertierte nach neun Monaten und verbüßte seine Strafe in Militär- und Zivilgefängnissen. 1986 zog er nach Czarne, ein Bergdorf in den Beskiden. Er ist freier Mitarbeiter bei der Zeitschrift "Czas Kultury" und bei der Wochenzeitung "Tygodnik Powszechny".2002 erhält er den von den Partnerstädten Thorn(Polen) und Göttingen gemeinsam gestifteten Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis.01Olaf Kühl, 1955 in Sanderbusch/Friesland geboren, studierte Slawistik und Osteuropäische Geschichte. Seit 1996 ist er Russlandreferent des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Zugleich zählt er zu den renommiertesten Übersetzern aus dem Polnischen und dem Russischen, übertrug u.a. Werke Andrzej Stasiuks und Witold Gombrowicz. Olaf Kühl lebt in Berlin.

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